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Geschlechtsbestimmung

Die Unterscheidung der Geschlechter bei den Katharinasittichen ist nicht eindeutig. Schon oft ist es vorgekommen, dass angeblich 100%ige Hähne irgendwann glücklich brütend auf ihren frisch gelegten Eiern saßen. Oder dass ein Halter/Züchter vergeblich auf ein befruchtetes Gelege wartete, aber immer nur unbefruchtete Eier vorfand, bis ein DNA-Test Klarheit brachte und die beiden Hennen endlich mit echten Hähnen verpaart werden konnten.
Daher gibt es für mich bei der Geschlechtsbestimmung kein 100%ig, so lange nicht die Henne Eier gelegt und der Hahn diese befruchtet hat.

Es gibt bei den Katharinasittichen aber ein paar kleine äußerliche und verhaltenstypische Unterschiede zwischen Männchen und Weibchen, welche man, als Ganzes betrachtet, durchaus für eine Bestimmung des Geschlechts (unter Vorbehalt) heranziehen kann. Hier möchte ich einige vorstellen:

Es sei erwähnt: Keine Regel ohne Ausnahme! All dies sind lediglich Ansätze. Nur die Kombination aller Merkmale erlaubt es, eine vorsichtige Hypothese bezüglich des Geschlechts eines Katharinasittichs aufzustellen. Ob und wie die Charakteristika greifen, sollte bei jedem Katharinasittich individuell entschieden werden.

Bei Farbmutationen des Katharinasittichs kann es bei einigen dieser Bestimmungsmerkmale zu Problemen kommen. Offensichtlich ist dies bei den melanindefizienten Mutanten, also den Inos. Das Fehlen der schwarzen Gefiederzeichnung schließt eine Differenzierung mithilfe der Steuerfedern aus. Ein Blauschimmer am Kopf ist ebenfalls nicht festzustellen. Letzteres ist ebenso kritisch bei Katharinasittichen mit Dunkelfaktoren. So haben dunkelgrüne Katharinasittiche insgesamt einen Blaustich, welcher dem Betrachter gerne vorgaukelt, er hätte ein Weibchen vor sich sitzen. Bei dem olivgrünen Vogel hingegen fehlt jegliches Blau im Gefieder. Mit dem Fehlen des gelben Gefiederfarbstoffes Psittacin tritt ein ähnliches Problem auf. Das geübte Auge kann jedoch die normale Gefiederfarbe eines türkisfarbenen oder kobaltfarbenen von einem Blauschimmer am Kopf unterscheiden. Bei dem mauvefarbenen Katharinasittich fallen sowieso starke Schwankungen des Blauanteils im Gefieder auf, so dass man bei diesen Tieren unbedingt mehrere Merkmale zur Bestimmung des Geschlechts heranziehen muss.

Die momentan wohl sicherste Methode zur Geschlechtsbestimmung bei Katharinasittichen ist die DNS-Analyse. Hierbei wird aus einem Federkiel intakte DNS (DNS = Desoxyribonukleinsäure; das Erbgut eines Organsimus') extrahiert, bestimmte DNS-Bereiche werden amplifiziert (mittels PCR vermehrt) und anschließend mit bekannten Proben verglichen. Dabei zeigen Männchen und Weibchen unterschiedliche "DNS-Muster". Nichtsdestoweniger gibt es auch hier eine geringe Fehlerquote, wenngleich sie im Vergleich zu den oben beschriebenen Methoden verschwindend gering ist.
Diese Analysen kann man bei verschiedenen Instituten durchführen lassen.

Dass sich auch bei den Experten die Geister scheiden, sollen folgende Zitate veranschaulichen.
De Grahl (1985) schreibt: "Meine vor vielen Jahren ausgesprochene Vermutung, dass die männlichen Vögel die beiden mittleren Schanzspitzen in schwarzer Farbe zeigen, die Weibchen dagegen nicht, konnte mir durch etliche Zuchten W. Sigrist aus der Schweiz bestätigen. Er suchte seine Zuchtpaare nur nach diesem Merkmal aus."
Bauer (1990) vertritt ebenso die Meinung, dass, beruhend auf seinen Zuchterfahrungen, sich die Geschlechter sehr wohl unterscheiden lassen. Als sicherstes Unterscheidungsmerkmal führt er die Färbung der Schwanzoberseite an, die beim Weibchen eine nur etwa fünf Zentimeter breite schwarze Spitze aufweisen. Beim Männchen hingegen soll sich diese schwarze Färbung bis zu den Oberschwanzdecken hinziehen. Er weist jedoch auch darauf hin, dass der Flügelbug ebenfalls bei Weibchen ab und zu "eine große schwarze Zeichnung" zeigen kann. Als weiteren Unterschied sieht Wagner (1998) die dunklen Gefiedersäume an, welche beim Weibchen schmaler sind als beim Männchen. Außerdem sei "das Bürzelgefieder des Männchens wesentlich schwärzer" und weise "große schwarze Punkte auf".
Low (1983) dagegen hält die Geschlechtsbestimmung für schwierig, denn bei einigen ihrer Brutpaare war das Gefieder bei Männchen und Weibchen fast völlig gleich. So stellte sich eine "scheinbare Henne" nach ihrem Tod als Hahn heraus. Drei weitere Hennen, die nach Aussage von Low "als solche bezeichnet waren", unterstrichen ebenfalls die Unsicherheit bei der Geschlechtsbestimmung. Nur eine sah so aus, wie es immer beschrieben wird; die beiden anderen hatten schwarze Schwanzspitzen und Schulterflecken.
Auch die Aussagen der aktuelleren Literatur gehen eher in die zweite Richtung (u.a. Ehlenbröker 1994).

Sicherlich gibt es auch noch die Methode des Abtastens der Beckenknochen, wie sie u. a. bei den Agaporniden angewandt wird. Dafür ist jedoch eine Menge Erfahrung nötig. Bei einer geschlechtsreifen Henne stehen die Beckenknochen weiter auseinander als bei einem Hahn (Ehlenbröker 1994). Bei Jungtieren hingegen ist das Abtasten der Beckenknochen aufgrund des sich noch verändernden Knochenbaus nicht aussagekräftig.

Hier möchte ich nun ein paar Beispiele von Katharinasittichen anführen, deren Geschlechter bekannt sind:

Weibchen Als erstes sieht man das Paradebeispiel einer Henne (rechtes Bild; blaue Farbmutation). Sie weist an den Schwanzspitzen keinerlei Schwarz auf. Die Zeichnung der Oberschwanzdecken ist etwas schwächer als im direkten Vergleich mit dem folgenden Männchen (Bild links unten; wildfarben).
Dieses Prachtexemplar eines Männchens hat aber nicht, wie zu erwarten wäre, tiefschwarze Schwanzfedern. Sie wirken eher verwaschen. Auch reicht das Schwarz nicht bis an die Oberschwanzdecken.

Männchen Dass es sich bei den beiden Katharinasittichen um ein Paar handelt, ist sicher. Der Hahn füttert das Weibchen regelmäßig, es kommt zur Balz und zum Tretakt. Außerdem verteidigt der Hahn, wenn das Paar in Brutlaune kommt, das Schlafhaus und andere Bereiche der Voliere gegen unerwünschte Eindringlinge, welches auch Artgenossen sein können. Gemeinsam geht das Paar auf Nistplatzsuche, die typischen Lockrufe des Hahnes sind dann ebenso zu vernehmen wie zarte Paarkontaktlaute. Diese beiden Katharinasittiche schlafen auch nachts gemeinsam in einer Schlafbox.
Obwohl der Hahn von der Schwanzzeichnung nicht unbedingt als ein solcher erkennbar ist, habe ich aufgrund seines Verhaltens niemals daran gezweifelt. Als Beweis produzierte das Katharinasittichpaar im Frühjahr 2003 befruchtete Eier.

Anders verhält es sich dagegen mit den beiden nun folgenden Exemplaren.

Männchen Dieser wildfarbene, handaufgezogene Vertreter der Katharinasittiche (Bild rechts) wurde damals von seinem Züchter mit einem Hahn zusammen als handzahmes Paar verkauft. Man ging also davon aus, dass es sich um ein Weibchen handelte. Als die beiden Tiere geschlechtsreif wurden, mussten sie aufgrund erbitterter Kämpfe getrennt werden. Dennoch wurde niemals in Betracht gezogen, dass es sich vielleicht um einen Hahn handeln könnte. Die mittleren Schwanzfedern weisen zwar eine deutliche, jedoch nur kleine schwarze Spitze auf. Auch die sonstige Körperzeichnung ist nicht besonders ausgeprägt. Scheinbar eine eindeutige Henne. Das folgende Jahr verbrachte dieser Vogel dann in Einzelhaltung, bis er dann im Mai 2002 zu meinem kleinen Schwarm stieß. Aufgrund der Beschreibungen der Vorbesitzer ließ ich eine Geschlechtsanalyse auf DNS-Basis machen. Die Untersuchung erbrachte, dass es sich um ein Männchen handelt.

Männchen Um so kurioser ist die Verpaarung dieses Katharinasittichs mit dem hier links gezeigten blauen Katharinasittich. Ich hatte ihn damals als Partner für die scheinbare Henne besorgt. Aufgrund der fast komplett schwarzen mittleren Schwanzfedern und der mehr als deutlich ausgeprägten Gefiederzeichnung handelt es sich wohl mit Sicherheit um einen Hahn. Aber auch zwischen diesen beiden Tieren kam es zu Tretaktversuchen. Allerdings wurde nicht gefüttert. Der blaue Vogel übernahm in dieser Partnerschaft die Rolle des Weibchens. Das ging auch eine ganze Weile gut, bis der unterlegene Partner, eben der blaue Hahn, versuchte, aus dieser Rolle auszubrechen. Die Aggressionen untereinander wurden dadurch immer heftiger, so dass ich dieses Paar trennen musste.
Zu erwähnen ist allerdings noch, dass keiner dieser beiden Tiere sich jemals daran versucht hatte, dem oben genannten Männchen sein Weibchen auszuspannen. Ebenso wurde auch nicht versucht, mit der sich noch in der Voliere befindenden Henne näheren Kontakt aufzunehmen. Die Verpaarung dieser beiden Sittiche geschah somit aus freien Stücken.

Zum Schluss möchte ich darauf hinweisen, dass meine Katharinasittiche alle (natürlich mit Ausnahme der Inos) einen schwarzen Flügelbug haben. Dieser ist auch bei allen mehr oder weniger gleich groß und schwarz. Zumindest lässt sich vom Flügelbug auch bei meinen Tieren nicht auf deren Geschlecht schließen.

Männchen oder Weibchen? Über die Tücken der Geschlechtsbestimmung beim Katharinasittich. PDF (1.5 MB); erstellt im Rahmen der AG "Vogel und ich" Geschlechtsbestimmung
sowie als Übersichtsartikel für das Online-Magazin des Vogelnetzwerkes.
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