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Ernährung

Viele Katharinasittiche in Privathaltung werden falsch ernährt: Zu fett, zu viel, zu langweilig. Der Katharinasittich frisst gerne und viel - er zelebriert jede Mahlzeit. Gönnen Sie ihm dieses Vergnügen. Wenn Sie dann auch noch darauf achten, dass die Ernährung abwechslungsreich und vollwertig ist, werden Ihre Katharinasittiche es Ihnen mit tollem Gefieder, guter Gesundheit und einem langen Leben danken.

Mahlzeit

Die Nahrung

Um seinen scheinbar nie endenden Hunger zu stillen, beschäftigt der Katharinasittich sich tagsüber ausgiebig mit der Nahrungsaufnahme. Ein ausgewogenes Nahrungsangebot ist eine gute Voraussetzung für einen gesunden Vogel.
Aber was frisst denn nun so eine Katharinasittichmeute?
Grundsätzlich lässt sich sagen: 50 % feucht (Obst und Gemüse), 10 % grün (Grünfutter und Kräuter) und 40 % trocken (Sämereien). Was sich hinter diesen Bezeichnungen verbirgt, erfahren Sie auf den jeweiligen Seiten.

Nicht zu vergessen ist natürlich das tägliche Angebot von frischem Wasser. Da Katharinasittiche über den Tag verteilt viel trinken, muss besonders an heißen Tagen darauf geachtet werden, dass immer ausreichend Wasser zur Verfügung steht. Bei Wassermangel kommt es bereits nach wenigen Stunden zu schweren Dehydrierungserscheinungen.

Bitte denken Sie daran:
  • Verwenden Sie möglichst ungespritztes Obst und Gemüse. Schälen Sie Früchte unbekannter Herkunft.
  • Sammeln Sie aufgrund der möglichen Schadstoffbelastung Gräser und Wildkräuter nicht an vielbefahrenen Strassen.
  • Angebotene Speisen dürfen nicht gewürzt, gesalzen oder gezuckert sein.

Die Verdauung

Zunge

Der Verdauungstrakt der Papageien ist perfekt an die primär pflanzliche Nahrung angepasst. Sie haben eine dicke, fleischige Zunge, welche als hochsensibles Organ mit vielen Tastkörperchen ein Betasten und damit eine Auswahl der Nahrung ermöglicht. Aber auch zum Drehen und Wenden ist die Zunge hervorragend geeignet (Lantermann 1999).
Eine weitere Besonderheit sind die sogenannten Feilkerben, unterschiedlich harte, hintereinander angeordnete Hornplatten im Oberschnabel der Papageien. Sie eignen sich gut zum Schärfen des Unterschnabels (das berühmte Schnabelknirschen) und zum Fixieren von Nahrungspartikeln im Schnabel. Dementsprechend sind die Feilkerben bei körnerfressenden Arten besser ausgebildet als bei Nektarfressern wie z. B. Loris.

Sämereien, die Katharinasittiche aufnehmen, liegen in der Regel verpackt in schützenden Schalen vor. Daher werden die einzelnen Körner vor dem Verzehr geschält. Nach Homberger (1980) geschieht das nach einem speziellen System.
Zunächst wird der Samen zwischen Oberschnabelspitze und Zungenspitze aufgenommen und zwecks Fixierung mithilfe der Zungenspitze zwischen die Feilkerben und die Unterschnabelscheide geschoben. Durch Drehen und Wenden des Korns durch die Zunge tastet diese die Oberfläche des Samens nach Kerben oder Rillen ab. In solche setzt sich dann die Unterschnabelscheide, durch eine kräftige Schnabelbewegung werden die Schalen getrennt und der eine Teil der Schale abgestreift. Dabei wird das Korn gedreht, entweder von unten nach oben, oder, wie ich es bei den Katharinasittichen beobachten konnte, auch seitwärts. Die zweite Schalenhälfte wird ebenfalls entfernt, bevor der Samen, wenn es sich um z. B. Hirse handelt, komplett verschluckt wird.
Größere Körner, wie etwa Sonnenblumenkerne, werden nach dem Schälen erneut mithilfe der Feilkerben fixiert, schichtweise abgetragen und verspeist.
Ähnlich wird auch z. B. Apfel gegessen. Von einem großen Apfelstück wird zunächst ein kleiner, mundgerechter Schnipsel abgebissen, welcher dann ähnlich dem Sonnenblumenkern fixiert und langsam abgeschabt wird.
Bei Früchten mit Schale wird diese nicht mitgefressen, sondern immer fein säuberlich abgeschält.

Nach Aufnahme und gegebenenfalls Zerkleinerung der Nahrung gelangt diese in den Kropf. Als "Erweiterung der Speiseröhre" (Lantermann 1999) dient er der Speicherung großer Nahrungsmengen. Vom Kropf aus, in welchem eine Vorverdauung stattfindet, wird das Futter entweder zur Fütterung des Partners oder der Brut hochgewürgt oder mithilfe der Peristaltik in den Drüsenmagen weitertransportiert. Wie der Name vermuten lässt, werden dem Futterbrei im Drüsenmagen verdauungsfördernde Fermente und Säuren zugesetzt, wohingegen im anschließend folgenden Muskelmagen die Verdauung durch kräftige Muskelkontraktionen mechanisch vorangetrieben wird. Hier nun kommen die für die Papageien so wichtigen Magensteine ins Spiel. Das sind mit der Nahrung oder bewusst aufgenommene kleine Steinchen, die besonders bei den samenfressenden Arten zu finden sind. Sie unterstützen quasi als Zahnersatz die mechanische Zerkleinerung der Nahrung, indem sie durch die Muskelbewegungen des Magens harte Bestandteile mahlen oder zumindest stark beschädigen. So können anschließend die auch im Muskelmagen erneut zugesetzten Verdauungssäfte ihre Aufgabe leichter verrichten.

Magensteine
Auf einem Röntgenbild eines Katharinasittichs lassen sich Magensteine im Muskelmagen als helle Schatten erkennen.

Der Kot

Katharinasittiche haben einen erstaunlichen Stoffwechsel. Und - was vorne in so umfangreichen Maße den Weg in den Vogel findet, muss ihn irgendwann auch mal wieder verlassen.
Warum ich gerade auf dieses delikate Thema etwas ausführlicher eingehe, ist jedem Halter von Katharinasittichen klar: Die reichlich aufgenommene Nahrung wird mit einer enormen Geschwindigkeit verdaut und verschwenderisch verstoffwechselt. Dementsprechend üppig und von der Konsistenz her eher breiig bis flüssig ist auch der Kot der Katharinasittiche nach einer obsthaltigen Mahlzeit. Mit dem Kot von Wellensittichen haben diese Hinterlassenschaften aber auch gar nichts gemeinsam.
Wenn man sich das natürliche Habitat des Katharinasittichs anschaut und dieses mit dem des Wellensittichs vergleicht, liegt der Grund für diesen immensen - um nicht zu sagen monströsen - Unterschied auf der Hand: Wellensittiche leben unter kargen Verhältnissen und müssen mit dem, was sie tagtäglich an Nahrung aufnehmen, extrem gut haushalten, um nicht zu verhungern. Zudem ist Wasser knapp. Wellensittiche trinken daher wenig und nehmen bevorzugt trockene Samen und Körner auf.
Ganz im Gegensatz dazu lebt der Katharinasittich im Überfluss der subtropischen Nebelwälder und kann sich Verschwendung leisten. Es ist immer reichlich Wasser vorhanden, reife Früchte und Baumsamen laden zum ausgiebigen Schlemmen ein. Wenn mal etwas daneben fällt - wen interessiert es, ein paar Zentimeter weiter hängt die nächste Delikatesse. Das ist natürlich ein wenig übertrieben, denn auch im Katharinasittich- Schlaraffenland gibt es Zeiten der Nahrungsknappheit, aber die Vögel haben sich bis dahin Fettreserven angefuttert, die sie dann in Ruhe abbauen können. Während dieser Zeit ist der Kot dann auch fester in seiner Konsistenz und geringer in der Menge.

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