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Modifikationen

Halbseiter

Ein Halbseiter ist ein Tier, dessen eine Körperhälfte eine andere Farbe zeigt als die andere. Bei Wellensittichen beispielsweise sind blau-grüne Halbseiter bekannt. Diese Farbbesonderheit, die sowohl bei Papageienvögeln als auch in der Zucht mit Finkenarten und anderen Ziervögeln ab und zu auftreten, gehören nicht zu den Mutationen, da sie nicht vererbbar sind. Man nennt diese sporadisch auftretenden Spielformen der Natur daher Modifikationen.
Der Grund für diese farbliche (und manchmal sogar geschlechtliche) Zweiteilung des Vogelkörpers ist wissenschaftlich noch nicht geklärt. Sicher scheint jedoch, dass bei der ersten Zellteilung der befruchteten Eizelle etwas passiert, was dazu führt, dass die Zellen der einen Körperhälfte genetisch betrachtet anders sind als die der anderen Hälfte. Wie genau nun dieser Unterschied aussieht, ist bisher noch reine Spekulation. Bekannt ist, dass die Halbseitigkeit oftmals bei spalterbigen Vögeln auftritt.

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Katharinasittichhalbseiter in blau-grün.

Im Sommer 2005 trat bei den Katharinasittichen der erste mir bekannte Fall eines Halbseiters auf (in der Katharinasittichzucht von Carsten Laub): Der Vogel ist halb grün, halb türkis. Die Zweiteilung verläuft längs der Körperachse. Besonders strikt ist die farbliche Grenze an der Unterseite des Vogels erkennbar, während der blaue Flügel noch einige grüne Federn aufweist. Die Stirn ist überwiegend türkis, der restliche Kopf jedoch halb grün, halb türkis. Der Vogel zeigt sowohl grüne als auch blaue Steuerfedern.
Schecke Der Jungvogel fiel aus der Verpaarung grün spalt türkis x kobalt, seine zwei Geschwister sind grün bzw. türkis. Aufgrund der Farben der Eltern kann der Halbseiter genetisch gesehen grün spalt türkis oder türkis sein. Im ersten Fall wäre die Wildtypinformation der einen Körperhälfte verloren gegangen, im zweiten Fall hingegen rückmutiert. Sollte der Vogel zeugungsfähig sein, wird sich zumindest diese Frage klären lassen.

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Farbliche Zweiteilung längs der Körperachse.
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Grüne und türkisfarbene Steuerfedern.
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Am Rücken überwiegt der Grünanteil.
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Halbseiter in lutino-cremino.

Ein weiterer Halbseiter trat Anfang September 2005 in den Niederlanden auf. Der Vogel ist halb lutino, halb cremino. Zusammen mit seinen Geschwistern (2 x grün und 1 x kobalt) fiel dieses Jungtier aus der Verpaarung eines dunkelgrünen Hahnes mit einer kobaltblauen Henne. Die Tatsache, dass der Halbseiter ein Ino ist, indiziert eine Spalterbigkeit des Vaters für ino. Aufgrund der geschlechtsgebundenen Vererbung des Ino-Locus ist der gelb-cremefarbene Jungvogel somit eine Henne. Möglicherweise trägt der Ino-Halbseiter zudem noch einen oder sogar zwei Dunkelfaktoren.
Wie auch bei dem oben gezeigten blau-grünen Exemplar eines Halbseiters besteht bei diesem Vogel die Möglichkeit, dass er genetisch gesehen ein Lutino mit einer Spalterbigkeit für türkis oder ein Cremino ist.

Beide Vögel weisen offensichtlich eine halbseitige Psittacin-Defizienz auf. Das bedeutet, dass der Melaninanteil (also das dunkle Farbpigment) des grün-blauen Vogels am ganzen Körper gleichmäßig ist, jedoch der gelbe Farbstoff Psittacin an einer Körperhälfte fehlt. Denn erst das Psittacin macht aus einer blauen Feder eine grüne Feder. Genauso verhält es sich bei dem Ino-Halbseiter, wenngleich aufgrund der Ino-Mutation dort das Melanin komplett fehlt. Aber auch hier ist die Verteilung des Psittacins nur halbseitig gegeben. Ob dies nur Zufall ist und es ebenso auch Melaninhalbseiter gibt, wird die Zeit zeigen. Vielleicht tritt irgendwann auch mal ein gelb-grüner oder ein blau-cremenfarbener Halbseiter bei den Katharinasittichen auf.

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