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Mutationen

Grauflügel/Gesäumt (Heterosomal ko-dominant)

Im Jahr 2000 trat in Belgien eine neue Mutation auf, welche in den folgenden Jahren mit der Bezeichnung gesäumt versehen wurde. Nach neuesten Erkenntnissen - bestätigt durch Federuntersuchungen - der Catharinaparkieten Studie Groep (CSG) in Zusammenarbeit mit der MUTAVI Research & Advice Group) ist die Mutation jedoch nicht mit der bei Agapornis fischeri auftretenden Gesäumt-Mutation vergleichbar. Es wurde daher der neue Name Grauflügel gewählt, welcher nunmehr als offizielle Bezeichnung dieser neuen Mutation anzusehen ist.

Grauflügel
DF Grauflügel-Katharinasittich grün

Es handelt sich dabei um eine Mutation, welche sich auf den Melaninstoffwechsel auswirkt. Die schwarzen Pigmente werden gewissermaßen verdünnt. Daher wird diese Mutation im Englischen neben den geläufigen Bezeichnungen edged und greywing auch dilute genannt, genauer dominant dilute, denn die Vererbung ist wie auch die des Dunkelfaktors ko-dominant. Dementsprechend gibt es ein- (EF) und doppelfaktorige (DF) Vögel. Aber, im Gegensatz zum Dunkelfaktor, gibt es keine doppelfaktorigen Hennen!
Der Grund hierfür ist klar: Die weiblichen Vögel haben nur ein für die Mutation interessantes Heterosom, männliche hingegen zwei. Demnach kann ein Hahn zwei mutierte Gene (DF Grauflügel) haben, die Henne bloß eines. Wie wir von der Ino-Mutation wissen, zeigt eine Henne, welche ein verändertes Ino-Gen auf ihrem Heterosom hat, diese Mutation. Somit kann sie aufgrund der rezessiven Vererbung auch nicht spalterbig für diese Mutation sein. Bei dem Hahn dagegen müssen die Gene beider Heterosomen mutiert sein, damit er ein Ino ist. Hier nun liegt aber eine ko-dominante Vererbung vor. Dies führt zu dem Phänomen, dass der Phänotyp (also die reale, sichtbare Gefiederfärbung) einer Grauflügel-Henne die gleiche ist, wie sie beim doppelfaktorigen (DF) Grauflügel-Hahn zu beobachten ist.

Da sich die Eumelaninreduktion bei den einfaktorigen Tieren hauptsächlich im Inneren der Flügeldeckfedern beobachten lässt, entsteht der gesäumte Eindruck. Abhängig von der natürlichen Melaninverteilung beim Vogel ist die Reduktion kaum zu erkennen, so dass einige einfaktorige Männchen kaum als solche erkennbar sind und gar als wildfarbene Katharinasittiche galten. Dass sie jedoch die Mutation weitervererbten und somit erkennbare Grauflügel-Weibchen hervorbrachten, stiftete zunächst Verwirrung. Die Rede war von spalterbigen Tieren, von rezessiver Vererbung. Durch diverse Testkreuzungen und genaue Untersuchungen der Tiere konnte dies jedoch ausgeschlossen werden. Alle einfaktorigen Männchen zeigten mehr oder weniger gesäumte Arm- und Handdecken.
Beim doppelfaktorigen Katharinasittichmännchen hingegen ist die Melaninreduktion am ganzen Federkleid zu beobachten, wie auch bei Grauflügel-Weibchen. Krallen und Schnabel sind heller als die der wildfarbigen Katharinasittiche. Die Augen sind schwarz, sowohl bei adulten Vögeln als auch bei älteren Küken. Junge Küken dagegen weisen hin und wieder dunkelrote Augen auf.

Diese Mutation wurde und wird auch heute noch immer mit der Zimtmutation verwechselt. Dennoch sieht man den Tieren eindeutig an, dass sie schwarze, nicht bräunliche, Pigmente besitzen. Zudem liegt keine rezessive Vererbung vor. Es sprechen somit viele Indizien gegen eine Zimtmutation.

Die Vögel der Grünreihe sehen insgesamt etwas matter aus, die Gefiederzeichnung wirkt schwammig und insbesondere beim doppelfaktorig gesäumten Katharinasittich stark aufgehellt.

Zur Erinnerung:
EF = einfaktorig
DF = doppelfaktorig

Grauflügel Grauflügel
EF Grauflügel-Katharinasittichhahn grün
Grauflügel
Grauflügel
Grün DF Grauflügel-Katharinasittiche

Da diese Grauflügel-Mutation auch mit den Dunkelfaktoren kombinierbar ist, ergeben sich in der Grünreihe folgende weitere Kombinationen:

Auch die Blaureihe wurde erfolgreich mit der Grauflügel-Mutation kombiniert. Bekannt waren zunächst die so genannten silbernen Katharinasittiche, mauve-türkisfarbene Grauflügel.
Der türkisfarbene Grauflügel ist wie auch der grüne mit dieser Mutation etwas heller, die Gefiederzeichnung wirkt ebenso verwaschen. Der zweifaktorige Hahn bzw. die einfaktorige Henne haben aufgrund des geringen Melaningehaltes nur noch wenig blaue Färbung, die Vögel wirken grau-bläulich. Die Krallen sind auffallend hell.

Grauflügel
EF Grauflügel-Katharinasittichhahn türkis
Grauflügel
DF Grauflügel türkis

Wie in der Grünreihe lassen sich auch in der Blaureihe die Dunkelfaktoren mit der Grauflügel-Mutation kombinieren. Es ergeben sich folgende Möglichkeiten:

Grauflügel
Grauflügel
Grauflügel
DF Grauflügel kobalt-türkis
Grauflügel Grauflügel
EF Grauflügel mauve-türkis

Weitere Bilder der Grauflügel-Mutation:

Grauflügel
DF Grauflügel in kobalt-türkis (vorne) und dunkelgrüne Grauflügel EF/DF (hinten)
Grauflügel
Dunkelgrün DF Grauflügel (links) und DF Grauflügel mauve-türkis (rechts)
Grauflügel
EF Grauflügelhahn kobalt-türkis (vorne) und grüner DF Grauflügel-Katharinasittich (hinten)

Kurz nach Erscheinen der neuen Grauflügel-Mutation gab es bereits das erste Crossing-over-Ereignis mit dem Ino-Locus. Die ersten Tiere der kombinierten Grauflügel-Ino-Mutation wurden als Lacewing angeboten. Die Grauflügel-Lutinos sind hauptsächlich gelb, weisen jedoch braun-graue Zeichnungen auf den Flügeldecken auf. Ähnliches lässt sich bei den Grauflügel-Creminos beobachten. Derartige Tiere sind nur nach einem so genannten Crossing-over während der Keimentwicklung möglich, da sowohl die Ino- als auch die Grauflügel-Mutation auf dem Z-Chromosom liegen. Treffen bei einer Verpaarung von beispielsweise einem DF Grauflügel-Hahn mit einer Lutinohenne ein Grauflügel-Gen und ein Ino-Gen zusammen, so entsteht ein grüner Grauflügelhahn, welcher spalterbig für ino ist. Nur wenn beide Mutationsloci auf einem Z-Chromosom liegen, ist es möglich, dass auch beide Merkmale sichtbar werden. Ein Lutinohahn muss beide Ino-Loci mutiert haben, damit er ein Ino ist. Ist zudem auf einem oder gar beiden Z-Chromosomen auch noch der Grauflügel-Locus mutiert, zeigt der Phänotyp die Kombination beider Mutationen, den so genannten Lacewing.
In Testkreuzungen konnte festgestellt werden, dass die Ino- und die Grauflügel-Loci auf dem Z-Chromosom sehr weit voneinander entfernt liegen, denn in vielen Kombinationen von Inos mit Grauflügeln fielen Lacewing-Jungvögel.

Grauflügel
EF Grauflügel in lutino
Grauflügel
Lutino DF Grauflügel
Grauflügel
DF Grauflügel in cremino.


Bei der Zimtmutation ist bekannt, dass der Zimt- und der Ino-Locus 3 cM (centiMorgan) auf dem Z-Chromosom entfernt liegen. Das entspricht einer Rekombinationswahrscheinlichkeit von 3 %.
Es gilt: Je geringer die Rekombinationswahrscheinlichkeit, umso geringer ist der Abstand zweier Loci auf einem Chromosom. Zimt- und Ino-Locus liegen somit nahe beieinander und werden demnach nur selten (in 3 von 100 Fällen) durch ein Crossing-over-Ereignis getrennt. Für die Grauflügel-Mutation hingegen ist die Wahrscheinlichkeit wesentlich höher, mit dem Ino-Locus kombiniert zu werden. Es besteht eine hohe Rekombinationswahrscheinlichkeit, aber auch eine ebenso hohe Rate an Rückmutation.

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