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Glückskeks Da Vinci

"Nico" (jetzt Da Vinci) ist einer unserer Vermittlungs-Katharinasittiche. Bis August 2005 fristete Nico in einem Raucherhaushalt sein Dasein. Sowohl der Käfig als auch Nico selber rochen dermaßen nach kaltem Rauch, dass der Käfig komplett entsorgt werden musste. Bei Nicos erster Dusche löste sich ein gelb-brauner Film von seinem Gefieder. So etwas hatten wir bisher noch nicht gesehen; daher wird uns Nicos Fall noch lange in Erinnerung bleiben.

Da Vinci

Pünktlich zum ersten Jahrestag in seiner neuen Familie gibt es nun eine kleine Geschichte und tolle Bilder von und mit Da Vinci. Vielen Dank an Nicole und Frank aus Essen!

28.08.2006: Der erste Geburtstag in meinem "neuen" Leben

Vor gut einem Jahr habe ich leider meinen langjährigen Partner verloren. Damit bin ich zunächst kaum klargekommen. Mein Zustand war aufgrund des Verlustes und der Haltungsbedingungen, unter denen wir unser tristes Leben fristen mussten, sehr bedenklich. Die Nachbarn meines damaligen "Besitzers" haben ihn zum Glück davon überzeugt, dass etwas geschehen muss. Ihre Idee war es, dass ich ein neues Zuhause bekommen sollte. Sie haben Kontakt zu dem Katharina-Guru, Siggi aus Senden, aufgenommen und die Geschichte nahm ihren Lauf.

Siggi startete ihren ersten Vermittlungsaufruf am 01.08.2005: "Kathi aus Wuppertal zu vermitteln" und erhielt sehr viele Zuschriften über den "armen Kerl", der jedoch aufgrund der gelben Fleckchen am Kopf so außergewöhnlich hübsch aussah und Anlass zu der Vermutung gab, dass es nicht sehr lange dauern würde, bis er ein neues Zuhause finden sollte.
Während die Drähte bei Siggi heiß liefen, wurde ich am 17.08.2005 schon mal von den netten Nachbarn aus Wuppertal nach Senden gebracht. Siggi entsorgte erst einmal meinen alten Käfig und unterzog mich einer ersten Inaugenscheinnahme. Ach was musste ich nicht alles über mich erfahren: mein Schnabel war zu lang, ebenso meine Krallen. Mein allgemeiner Zustand war nicht gut, insbesondere mein Gefieder gab Anlass zur Sorge (Mauser oder Milben war die Frage).
Wie es in solch einer Situation üblich ist, bekam ich erst einmal eine "Einzelzelle". Ich war zwar sehr schreckhaft und zog mich daher sehr zurück, doch da ich meinen Hunger stillte, legten sich schnell einige von Siggis Sorgenfalten. Widerwillig ließ ich das Krallenkürzen und die Korrekturen an meinem Schnabel, ebenso wie eine Dusche - als erste Gefiederpflegemaßnahme - über mich ergehen. Da sich zwischenzeitlich Nicole und Frank aus Essen bei Siggi gemeldet hatten und sie mehr als Interesse an mir zeigten, würde meine Vermittlung wohl recht bald vollzogen sein.
Siggis Erkundigungen über ein mögliches neues Zuhause in Essen waren ebenso positiv wie die Besserung meines Allgemeinzustandes. Obwohl ich Siggis Katharinas nur hören konnte, wollte ich gerne Kontakt aufnehmen und ich tat, was mir als Einziges übrig blieb: ich machte mich - h ö r b a r - bemerkbar. Da der ständige Versuch der Kontaktaufnahme anstrengend ist, ließ auch mein Appetit nicht nach, so dass Siggi erfreut zur Kenntnis nahm, dass ich - wie jeder gesunde Katharina - das mir angebotene Futter gefräßig zu mir nahm.

Am 28.08.2005 - also vor genau einem Jahr - war es dann soweit. Ich wurde von Nicole und Frank abgeholt, um mein neues Zuhause in Essen kennen zu lernen. An diesem Tag begann mein "neues" Leben.

Schon während der Fahrt nach Essen habe ich Nicole und Frank gezeigt (bzw. erzählt), was sie erwartet: ein sehr mitteilungsfreudiger Vogel, der auch gerne mal etwas lauter wird. Das hatten die Beiden nicht erwartet. Sie kannten zwar die Suchrufe der Katharinas, doch dass ein einzelner Katharina munter Geschichten erzählt, das kannten sie bisher nicht. Der neue Mann im Haus war damit nicht nur aufgrund seines Äußeren außergewöhnlich und die Freude auf das zukünftige Zusammensein wurde bereits während der Reise immer größer.
Doch auch in Essen musste ich zunächst wieder in "Einzelhaft". Sicher ist sicher sagten sich Nicole und Frank, die ihre Vogelschar natürlich nicht ohne das O.K. eines Tierarztes erweitern wollten. So musste ich meine erste Nacht in Essen auch noch in einem anderen Zimmer, getrennt von meinen Artgenossen, verbringen.
Am nächsten Tag stand also erst einmal wieder eine Autofahrt auf dem Programm. In der Taubenklinik, in der ein auf Vögel spezialisierter Tierarzt tätig ist, musste ich einige unangenehme Untersuchungen über mich ergehen lassen: Kropf- und Kotabstrich sowie eine allgemeine Untersuchung - also anfassen lassen - oh Gott oh Gott. Wie sollte ich anders reagieren, als mit Geschrei und Gezeter und dem Versuch, den Tierarzt zu beißen. Der Tierarzt ließ sich aber nicht beeindrucken - er war so etwas wohl gewohnt - und machte mit der Untersuchung unbeirrt weiter. Die Abstriche wurden direkt unter dem Mikroskop gesichtet, ohne dass eine Auffälligkeit zu entdecken war - prima. Einzig mein Gefieder war nicht optimal. Aber auch hier bestand kein Grund zur Besorgnis, da - wie bereits erwartet - keine Milben bei mir entdeckt wurden. Eine ausgewogene Ernährung, ab und zu eine Dusche und einige zusätzliche Vitamine im Trinkwasser sollten genügen, um mein Gefieder wieder auf Vordermann zu bringen. Nichts Besonderes also, sondern die übliche ganz normale Katharina-Versorgung.
Da alles soweit O.K. war, wurde meine Einzelunterkunft schon mal in das Zimmer gebracht, in dem sich die Zimmervoliere mit meinen zukünftigen Spielgefährten befindet. Ich habe mein neues Umfeld und vor allem meine neuen Kameraden genauso gespannt beobachtet, wie ich auch von ihnen - vier Katharinas: Cindy (wildfarben), Herr Bert (wildfarben, mittlerweile Berta, da sich herausgestellt hat, dass es sich um eine Henne handelt), Tristan (kobaltblau) und Isolde (türkis), sowie damals acht Wellis - beobachtet wurde.

Da Vinci

Bevor ich jedoch in direkten Kontakt mit den anderen kommen durfte, erhielt ich einen neuen Namen. Aufgrund meiner gelben Farbtupfer am Kopf nennen mich Nicole und Frank

Da Vinci.

Die Kontaktsperre dauerte aber nicht lange, so dass ich sehr bald meine ersten Flugversuche in der Voliere unternehmen konnte. Da diese aber zunächst meist misslungen, habe ich erst einmal probiert, mich kletternder Weise von Ort zu Ort bewegt, immer den anderen Kathis hinterher.
Meine Flugversuche wurden damals immer kritisch beobachtet. Ich hatte nämlich das Problem, dass ich zwar ein Ziel anvisiert habe, jedoch meistens woanders gelandet bin und anschließend immer noch recht viel klettern musste. Doch woher sollte ich auch fliegen können. In meinem früheren Leben kannte ich ja nur einen kleinen Käfig. Heute komme ich aber gut zurecht. Die große Zimmervoliere und der tägliche Feiflug haben mich halt dazu gezwungen richtig fliegen, und vor allem landen, zu lernen, um nicht den Anschluss an die anderen zu verlieren.
Mit dem Einzug in die Voliere hatte ich einen weiteren Schritt in mein neues Leben gemacht. Nun galt es, sich in die bestehende Katharinagruppe zu integrieren. Eine Aufgabe, die schwerer war, als ich zunächst geglaubt hatte.

Da Vinci

Cindy und Berta (damals noch Herr Bert) kamen vor etwa 3 Jahren zu Nicole und Frank. Tristan und Isolde folgten ca. 1 Jahr später, so dass die Truppe immerhin seit ungefähr einem Jahr vor meinem Auftauchen zusammen war. Obwohl es den Anschein hatte, dass es sich nicht um feste Pärchen handelte - die vier hockten mal zusammen aber auch mal einzeln irgendwo rum und die drei Schlafhäuschen wurden in unterschiedlichen Konstellationen genutzt (mal alle vier in einem, mal aufgeteilt, mal zwei und zwei) - hatte ich große Probleme Kontakt aufzubauen.
Lag es daran, dass ich nach meinem Verlust noch nicht wieder dazu bereit war, lag es daran, dass die vier noch nicht bereit waren oder lag es daran, dass ich am Anfang Probleme hatte den vieren zu folgen; ich weiß es nicht. Doch je mehr Zeit verging, umso mehr wurde ich in die Gruppe integriert. Dies zeigte sich auch dadurch, dass ich nach und nach die Schlafhäuschen aufsuchen durfte, ohne vertrieben zu werden und dass sich auch andere Kathis ein Häuschen mit mir teilten. Meine Flugkünste wurden von Mal zu Mal besser und auch mein Gefieder erholte sich zunehmend.

Da Vinci

Doch wo Licht ist, da ist auch Schatten:
Es geschah kurz vor Weihnachten. Nicole wollte uns ein neues Badehaus gönnen und hängte es in die Voliere. Sie schnappte sich einen Welli und setzte ihn ins neue Badehaus, was dieser wohl gar nicht so toll fand. Das Innenleben des Badehauses war ja nass. Der Welli floh also erst einmal und landete auf Nicoles Hose. Sie musste nun entsetzt feststellen, dass dort, wo eigentlich nur etwas Wasser zu sehen sein sollte, ein fetter frischer Blutfleck zu sehen war.
Nun galt es festzustellen, woher das Blut gekommen war. Da Nicole nicht verletzt war, musste es einer von uns sein. Da ich relativ ruhig in einem Schlafhäuschen saß, machte ich mich wohl verdächtig. Dies hatte zur Folge, dass Nicole mich fangen wollte, was ihr auch erstaunlich leicht gelang. Kein Wunder, denn Nicole hatte nun nicht nur mich gefangen, sondern auch ihre Hände voller Blut. Was nun? Schnell stellte sie fest, dass ich eine Wunde am Flügel hatte und mir einige Federn am Brustkorb unter dem Flügel fehlten, so dass man hier meine Haut sehen konnte. Die Wunde am Flügel blutete noch. Zum Glück hatte sie blutstillende Watte im Haus, so dass der Flügel schnell verarztet werden konnte. Leider musste ich jedoch wieder in die ungeliebte Einzelhaft.
Doch dann kam für Nicole der nächste Schreck: Cindy und Berta hatten blutige Füße. Das Säubern der Füße - unter erheblichem Klagegeschrei - ergab jedoch, dass außer mir kein weiterer Vogel verletzt war. Auf einem der Schlafhäuschen, befand sich eine kleine Blutlache und da waren die beiden wohl durchgelaufen. Man konnte die Fußspuren auf dem Häuschen sehen.
Da ich mich in meinem "Krankenkäfig" ruhig verhielt, meine Blutung gestoppt war und es nicht den Anschein hatte, dass ich mir irgendetwas gebrochen hatte, blieb mir ein Tierarztbesuch am nächsten Tag erspart (welch Glück). Ich konnte aber machen was ich wollte, ich musste erst ein paar Tage alleine bleiben, ehe ich wieder zu den anderen zurück durfte. Dafür behielt ich aber das Geheimnis, wie es zu der Verletzung gekommen war, für mich.

Da Vinci

Wer jetzt denkt, dass ich das typische Sorgenkind bin, den muss ich leider enttäuschen, denn es gibt auch lustige Geschichten, von denen ich berichten kann. Während ich mich bei Siggi noch sträubte zu duschen, habe ich bei Nicole und Frank gelernt, das intensive Duschen lieben zu lernen.
Die beiden überlassen es uns Geiern immer selbst, wie ausgiebig wir duschen möchten. Wir werden hierzu immer in einen kleinen Käfig gesetzt, der dann wiederum in die Badewanne gestellt wird. Die Brause wird dann so ausgerichtet, dass nur über eine Ecke des Käfigs Wasser aus der Brause läuft. Wir können nun selber in den Brausstrahl hineingehen und so entscheiden, wie intensiv die Dusche ausfallen soll.
Schnell habe ich festgestellt, wie schön eine ausgiebige Dusche ist. Zunächst setzte ich mich eine zeitlang unter den Brausestrahl. Dann lehne ich mich Stück für Stück nach hinten, so dass mein Bauch immer nasser wird. Dies mache ich so lange, bis ich mich so weit nach hinten gelehnt habe, dass ich mich nicht mehr halten kann und ich rückwärts von der Stange falle. Anschließend klettere ich wieder nach oben und beginne von vorne. Da sich Nicole und Frank mittlerweile an diese Prozedur gewöhnt haben, erschrecken sie nicht mehr, wenn ich von der Stange falle, sondern sie amüsieren sich jedes Mal köstlich darüber.

Da Vinci

Nach einem Jahr kann ich sagen, dass ich hier ein schönes neues Zuhause gefunden habe: das Fliegen und Landen klappt, neben der großen Voliere haben wir täglich auch noch die Möglichkeit zum Freiflug, mit den Wellis komme ich ganz gut klar und mit den anderen Kathis habe ich ständig abwechselnde intensive Kontakte (leider züchten Nicole und Frank nicht), aus dem Schrebergarten der beiden bekommen wird unbehandeltes Obst und Gemüse sowie ungespritzte Äste, die man herrlich abnagen kann.
Was fehlt? Ich weiß es nicht. Aber vielleicht lassen sich ja Nicole und Frank etwas Besonderes zu meinem "neuen" Geburtstag einfallen, so dass ich danach sagen kann: "Das hätte ich mir zu meinem ersten Geburtstag gewünscht".

Da Vinci

26.11.2012: Nachtrag

Nach einem erfüllten Leben an der Seite seiner Partnerin Berta ist Da Vinci heute verstorben. Berta musste in der vergangenen Woche aufgrund einer Erkrankung eingeschläfert werden. Da Vinci baute seitdem ab und folgte nur wenige Tage später seiner Berta.
Wenngleich Da Vincis Tod natürlich traurig ist, so ist es doch tröstend zu wissen, dass er seit seiner Vermittlung im Jahre 2005 noch mehr als sieben schöne Jahre verleben durfte.

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