Das Verhalten der Katharinasittiche in einem Schwarm unterscheidet sich grob betrachtet nicht wesentlich von dem eines einzelnen Paares.
Gleichzeitige Nahrungsaufnahmen gehören ebenso dazu wie gemeinsame Ruhepausen mit putzen, kuscheln und kraulen. Dennoch gestaltet sich das Leben in einem Katharinasittichschwarm bunter und aufregender als bei reiner Paarhaltung. Die Paare und auch unverpaarten Tiere kommunizieren untereinander in vielfältiger Weise, es wird gezankt, in großen Gruppen gekuschelt oder einfach nur geplappert. Es ist insgesamt einfach mehr los, ohne dass die Aggressionen im Schwarm zunehmen. Einzelne, unverpaarte Tiere können in Katharinasittichgruppen ohne Probleme leben, schließen sich möglicherweise Paaren an oder führen ein eher eigenbrötlerisches Dasein, um sich zwischendurch von verschiedenen Schwarmmitgliedern ordentlich durchkraulen zu lassen.
Alle Autoren von Katharinasittichliteratur und befragte Züchter bezeichnen die Katharinasittiche als soziale, friedfertige und gesellige Vögel.
Lantermann (2002) hielt am Anfang seiner Katharinasittichkarriere fünf Tiere gemeinsam in einer Voliere. Schnell bildeten sich zwei Paare. Trotzdem ließen sich dem verbleibenden Einzelvogel gegenüber keine Anzeichen von Aggressionen erkennen. Der Schwarm hielt zusammen, flog gemeinsam ohne gegenseitige Beeinträchtigungen die Futterstellen an und verbrachte die Ruhepausen zeitweise in einer Dreier- oder sogar Fünfergruppe.
Lägel (Buxtehude) schreibt: "Katharinasittiche sind sehr soziale Tiere, die untereinander ständig kuscheln und sich kraulen. Sie lassen sogar die Jungen der 1. Brut manchmal noch mit im Kasten schlafen, wenn schon wieder gebrütet wird. Wenn sie von einem fremden Jungen
angebettelt werden, füttern sie es. Wenn es ihnen jedoch zu bunt wird, gibt es auch schon mal Streit, der in der Regel aber nur lautstark aber nicht gefährlich ist. Verstirbt ein brütender Partner, so ist es nicht selten, dass der Hinterbliebene die Jungen alleine oder mit Hilfe der anderen Tiere, bzw. eines neuen Partners großzieht! Diese außerordentliche Eigenschaft habe ich in meinem Schwarm beobachten können."
Sicherlich gehören auch Streitereien untereinander zum Alltag der Katharinasittiche. Allerdings sind nur selten wirkliche Aggressionen gegen Artgenossen oder auch andere Mitbewohner von Gemeinschaftsvolieren zu beobachten. Ein Angriff beschränkt sich meistens auf ritualisiertes Drohverhalten, beim dem entweder der gesamte Körper zu seiner vollen Größe aufgerichtet oder eine geduckte Haltung eingenommen wird. Das Gefieder it eng angelegt, dem Gegner wird der weit geöffnete Schnabel entgegengestreckt. Zur weiteren Unterstützung der Drohgebärden wird mit den Flügeln geschlagen und laut geschimpft. Bei einem Hahn konnte ich sogar einmal beobachten, dass er - nachdem sich sein Gegenüber von seinem Gekeife nicht einschüchtern ließ - einen Fuß hob und kräftig zutrat. Sein Kontrahent, in diesem Fall ein Wellensittich, flog mehr verdutzt als verängstigt davon.


Untergeordnete Tiere zeigen dominanten Vögeln gegenüber ein Beschwichtigungsverhalten, dass sehr dem Begrüßungsverhalten der Partner eines Paares ähnelt. Der Katharinasittich richtet dazu seinen Oberkörper auf und wackelt mit dem Kopf hin und her. Dazu plappert er leise vor sich hin.
Sicherlich hängt die Harmonie eines Schwarmes enorm vom Platzangebot ab, inwieweit sich die Tiere aus dem Wege gehen können und wie stark das Hierarchiegefälle im Schwarm ist. Hierzu sei erwähnt, dass sich die Strukturen einer Gruppe mit der Größe dieser Gruppe ändern. Lassen sich in kleinen Schwärmen von beispielsweise sechs Tieren noch klar sehr dominante Paare von unterlegenen Paaren oder Einzeltieren unterscheiden, so verschwimmen diese Grenzen mit zunehmender Anzahl der Tiere. Je größer die Gruppe, umso niedriger ist das Hierarchiegefälle. Dies ist nicht unbedeutend, wenn man einen dynamischen Schwarm hat, wenn also ab und an neue, einzelne Tiere hinzukommen. Die Eingliederung dieser Einzeltiere in einen bestehenden Schwarm ist demnach wesentlich leichter, je höher die Anzahl der Mitglieder ist.
Sicherlich lässt sich dieses Verhalten des Katharinasittichs in Gefangenschaft nicht so ausgeprägt beobachten, dennoch stelle ich selbst bei meinem kleinen Schwarm einen ähnlichen Tagesrhythmus fest.
Morgens ist der ganze Haufen unruhig. Noch vor der ersten Nahrungsaufnahme müssen ein paar Runden durch das Zimmer gedreht werden. Erst dann wird ausgiebig gefrühstückt. Die anschließende Ruhepause, unterbrochen von kleinen Unternehmungen wie z. B. die Suche nach Nistmöglichkeiten, zieht sich bis in den Nachmittag hinein. Dann drehen die Katharinasittiche noch einmal mächtig auf, bis sie gegen Abend ihre Schlafplätze aufsuchen. Auch hier kommt es immer zu kleinen Auseinandersetzungen, bis schließlich alle Vögel mitsamt Partner ihre Schlafposition eingenommen haben und bis zum nächsten Morgen Ruhe einkehrt.
Spielverhalten, wie man es oft bei Großpapageien sehen kann, zeigen Katharinasittiche nicht. Allerdings scheint es ihnen Spaß zu machen, Dinge vom Tisch zu schmeißen und ihnen hinterher zu schauen. Dabei achten sie aufmerksam auf die Reaktion des anwesenden Menschen. Wird der Gegenstand wieder aufgehoben, so dauert es nicht lange, bis er erneut unten liegt. Weitere scheinbar spielerische Aktivitäten sind z. B. das übermütige Rumhampeln im Geäst oder an der Volierendecke. Solche Verhaltensweisen treten vorwiegend nach Ruhephasen auf und wirken stimmungsübertragend auf Artgenossen. Sie dienen vermutlich primär dem Zusammenhalt des Schwarmes und der Gemeinschaft.
Jungtiere werden dagegen häufig beim Spielen beobachtet. Gegenstände wie z. B. Korken oder Holzkugeln werden benagt, durch die Gegend getragen, gedreht. Dabei liegen die Tiere auch oft auf dem Rücken, ein für erwachsene Tiere atypisches und undenkbares Verhalten.
Ein bisher noch nicht zu erklärendes Verhalten bei den Katharinasittichen wurde bereits von verschiedenen Haltern beobachtet: Das Tier beginnt nach aufgeregtem Geplapper zunächst wild seinen Kopf zu schütteln. Bald zuckt der komplette Körper. Besteht die Möglichkeit, so stützt der Vogel sich an einem abstehenden Ast ab, um besseren Halt zu haben. Dann läuft er plötzlich los, hin und her, und wackelt dabei die ganze Zeit mit dem Kopf. Auch die Flügel werden zeitweise kurz angehoben. Kommt der Sittich so richtig in Fahrt, dann kann er unter Umständen seine Position nicht halten und rutscht vom Ast. Das stört ihn aber nicht wirklich, denn er macht hängenderweise, kopfüber weiter. Die Akrobatik wird von diversen Lauten unterstützt, wobei diese sich aus vielen Elementen der alltäglichen Sprache zusammensetzen. Gelegentlich fliegt der Vogel kurz auf, setzt sich ein Stückchen weiter wieder hin und fährt mit seinem Gebaren fort.
Da ich dieses kuriose Verhalten anfangs nur bei einem meiner Hähne erkennen konnte, vermutete ich zunächst eine Art von Balzverhalten. Mit dem Wachsen des Schwarmes jedoch zeigten sowohl weitere männliche als auch weibliche, verpaarte und unverpaarte Tiere in diversen Situationen diese Anfälle. Auch andere Halter von Katharinasittichen berichten von derartigen Beobachtungen. Bei einer Halterin führt sogar der komplette Schwarm diese Verrenkungen auf.
Bisher konnten leider keine Zusammenhänge zu anderen Handlungen oder Situationen ausgemacht werden, so dass dieses Verhalten ein weiteres ungelöstes Rätsel des Katharinasittichs ist.