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Brut

Bei ihrer ersten Brut sollten die Weibchen nicht jünger als 14 Monate sein (Vriends 1999). Dickschnabelsittiche leiden laut Arndt (1986) leicht unter Legenot, die bei ihnen fast immer zum Tode führt. Natürlich ist die Gefahr bei jungen, kranken und schwächlichen Tieren besonders groß.
Auch wenn Katharinasittiche problemlos drei Bruten pro Jahr durchziehen, sollte man zum Wohl der Tiere nicht mehr als zwei zulassen.

Normalerweise treten bei der Verpaarung zweier Einzeltiere keine Probleme auf. Es kommt selten vor, dass ein Paar nicht harmoniert (Henig/Rottendorf). Dennoch ist es natürlich angenehmer für die Tiere, wenn sie sich ihren Partner selbst aussuchen können. Solche Verbindungen bedeuten harmonisierende Paare und eine unkomplizierte Brut. Allerdings verhalten sich jüngere Tiere flexibler als ältere und können in der Regel auch erfolgreich verpaart werden.
Borchard/Fiedler beschreiben die Problematik so: "(...) Da die älteren Vögel doch eine starke Bindung zu ihrem langjährigen Partner haben, ist es nicht so einfach z. B. ein neues Zuchtpaar zusammenzustellen. Ich denke, dass man ältere Paare nicht trennen sollte, um sie eventuell mit einem jungen Vogel zu verpaaren. (...)"
Diese Erkenntnis teilt auch Bauer (1990): (...) Bei näherer Betrachtung stellte sich dann heraus, dass ein häufiges Umsetzen und Umpaaren die Ursache war, die den Brutrhythmus störend beeinflusste. Letzteres war besonders dann der Fall, wenn sich die früheren Partner sehen und hören konnten."

Die Brutzeit der Katharinasittiche liegt zwischen April und August (Arndt 1986), je nach Unterbringung (beheizter Raum mit 15°C) ist jedoch eine Zucht das ganze Jahr über möglich (Pfeffer).

Das Vorhandensein einer Balz wurde lange Zeit bestritten. Ebenso wurde behauptet, dass es nicht zur Fütterung der Partner kommt. Beides muss jedoch nach aktuellen Beobachtungen korrigiert werden. Zwar ist die Balz eher unauffällig, dennoch bestätigen viele Züchter meine Beobachtungen von Balzverhalten bei einigen Paaren.

Die Kopulationen, bei denen sich die Sittiche kaum stören lassen, können bis zu fünf Minuten dauern. Wie bei den meisten Neuweltpapageien findet die Begattung des Weibchens durch das Männchen seitlich statt. Dabei legt das Männchen ein Bein auf den Rücken des Weibchens, das andere verbleibt auf der Stange. Beide rücken eng aneinander und drücken ihre Kloaken aufeinander. Dabei geben sie ständig glucksende und krächzende Laute von sich. Manchmal findet die Paarung im Kasten statt.

Begattung
Der Hahn (türkis) begattet das Weibchen (dunkelgrün) von der Seite.
Begattung
Dazu legt der Hahn (grün) dem Weibchen (türkis) ein Bein auf.

Zu diesem Zeitpunkt interessiert sich das Paar mehr und mehr für angebotene (oder selbstgesuchte) Nistmöglichkeiten und richtet sich das Nest nach eigenen Vorstellungen her. Schon bald taucht bei dem Katharinasittichweibchen eine verräterische Beule in der Kloakengegend auf und weist auf die bevorstehende Eiablage hin. Bei jungen, unerfahrenen Hennen sollte man nun die Tiere besonders gut beobachten: Verändert sich das Verhalten der Henne dramatisch und ist das Ei auch nach spätestens 36 Stunden nicht abgelegt, muss sofort ein vogelkundiger Tierarzt aufgesucht werden, um eine mögliche Legenot zu behandeln. Im schlimmsten Fall führt eine unbehandelte Legenot zum Tod des weiblichen Tieres durch absolute Erschöpfung oder innere Blutungen.

Eierbeule
Eierbeule
Katharinasittichhennen kurz vor der Eiablage.

Nicht mit der typischen Eierbeule der Henne zu verwechseln ist die in den Tagen vor und nach der Eiablage leicht verdickte Kloake. Dies hat mehrere Gründe: Zum einen ist das Gewebe in der Kloakenregion während der Brut besonders gut durchblutet und wirkt daher etwas geschwollen. Zum anderen ist es so, dass eine fest brütende Henne nur ein oder zwei mal pro Tag den Kasten verlässt, um Kot abzusetzen. Dass die Menge an Kot dann ungewöhnlich groß ist, ist nachvollziehbar. Dies ruft ebenfalls eine Wölbung der Kloake hervor.

Das Weibchen brütet fest, selten nach dem ersten, meist erst nach dem zweiten oder sogar erst nach dem dritten Ei. Dadurch kommen zum Teil ungewöhnliche Angaben zur Brutdauer zustande. Das Männchen füttert seine Partnerin während der Brut. Das Weibchen verlässt das Gelege nur selten, um Kot abzusetzen und zu trinken. Aber auch Duschen werden in dieser Zeit gerne angenommen. Diese sollte man den Tieren auch ruhig zukommen lassen. Der Vorteil ist nämlich, dass die Henne sich in noch nassem Zustand wieder auf die Eier setzt und somit die Luftfeuchte im Kasten drastisch erhöht wird. Dies ist gut für die Entwicklung der Embryonen im Ei.

Henne im Kasten
Brütende Henne im Kasten.

Nistkastenkontrollen werden in der Regel nicht übel genommen. Einige Hennen müssen zur Kontrolle der Eier und Küken sogar vom Nest geschoben bzw. gehoben werden. Sollte das Weibchen während einer Kontrolle trotzdem das Gelege verlassen, so kehrt es danach sofort wieder in den Kasten zurück.
Bei sensiblen oder scheuen Paaren können solche Störungen jedoch zur Aufgabe des Geleges führen. Die Eier werden dann zerstört oder einfach nicht weiter bebrütet (Wagner 1998). Jeder Halter von Katharinasittichen sollte seine Tiere aber ausreichend einschätzen können, um zu entscheiden, inwieweit die Vögel Eingriffe in das Brutgeschehen akzeptieren.
Generell gilt im Bezug auf Nistkastenkontrollen: So wenig wie möglich und so oft wie nötig.

Eier

Die Zahl der Eier liegt meist zwischen drei und sechs, im Schnitt werden vier Eier gelegt. Dennoch sind auch schon außergewöhnlich große Gelege aufgetreten. Röder (Büdingen) weiß von einem Gelege mit acht Eiern zu berichten, wobei immerhin sieben Junge bis zur Selbständigkeit aufgezogen wurden.
Die durchschnittliche Eigröße beträgt etwa 20 x 15 mm, die Eier sind gleichmäßig weiß. Den Eiern ist bereits nach vier Tagen durch feine, rote Äderchen anzusehen, dass sie befruchtet sind. Nach sieben Tagen verfärben sich die fertilen Eier dunkel.

Zuchtpaar
Zuchtpaar am Kasten.

Bei den Angaben zur Brutdauer gibt es große Schwankungen, zwischen 17 und 26 Tagen wurde alles beobachtet. Dies hängt davon ab, ob das Weibchen sofort oder erst nach dem dritten Ei mit der Brut beginnt und wie hoch die Temperatur im Zuchtraum ist. Allerdings geben die meisten Züchter eine Brutdauer von ungefähr 21 Tagen an.

Henne mit Kueken
Katharinasittichhenne mit Küken.

Die frischgeschlüpften Küken weisen einen zarten, weißen Flaum auf, der später wie die Dunen der Eltern dunkelgrau wird.
Wenn die Jungen etwa acht bis zehn Tage alt sind, verlässt auch das Weibchen hin und wieder das Nest. Mit zehn bis zwölf Tagen öffnen die Küken ihre Augen. Je nach Größe der Füße können die Küken dann auch mit 4,5-mm-Ringen geschlossen beringt werden. Bereits zwei Wochen vor dem Ausfliegen sind die Jungen vollständig befiedert (Weber 1992).

Kueken
Küken einen Tag nach dem Schlupf.
Kueken
Katharinasittichküken im Alter von vier Tagen.
Kueken
Zehn Tage alte Küken: Grün und ino. Die Augen öffnen sich.
Kueken
Das Großgefieder sprießt - Katharinasittich 23 Tage nach dem Schlupf.

Ebenso variabel wie die Angaben zur Brutdauer sind auch die zur Nestlingszeit. Von vier bis sechs Wochen reichen die Beobachtungen.
Oft werden die Jungen noch zwei bis drei Wochen nach dem Ausfliegen von den Elterntieren gefüttert (Arndt 1986).

Kueken
Ausgeflogene Jungtiere (hier sechs Wochen alt) finden sich nachts zu größeren Gruppen zusammen.

Bereits nach etwa 2 Monaten sind die Jungen nicht mehr von den Altvögeln zu unterscheiden (siehe auch: Allgemeines/Beschreibung).
Der Familienverband ist fest, die Nisthöhle wird oft von den Jung- und den Alttieren gemeinsam als Übernachtungsmöglichkeit genutzt.

Die Boxen, die zur Zucht des Katharinasittichs verwendet werden, sind von Züchter zu Züchter verschieden. Manderscheid (1992) empfiehlt Zuchtboxen mit den Maßen 150 x 150 x 80 cm, Pfeffer (2001) dagegen hält die Maße 80 x 50 x 50 cm für ausreichend, ebenso wie Henig (Rottendorf) und Borchard/Fiedler (Duderstadt). Welkisch (Braunschweig) und Röder (Büdingen) züchten in 160 x 50 x 50 cm großen Boxen. Selbstverständlich sollten die Paare NUR für die Brut in diesen Boxen untergebracht werden. Außerhalb der Brutzeit werden die Tiere in größeren Flugvolieren gehalten. Neben der Zucht mit einzelnen Paaren in Zuchtboxen gibt es auch die Möglichkeit, mit mehreren Paaren in einer großen Voliere zu züchten (siehe: Koloniebrut).

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